Informationen zusammengetragen vom Ressort Diversität und Inklusion (diversity@rollerderbygermany.de) der Sportkommission Roller Derby im Deutschen Rollsport und Inline-Verband (DRIV).

Einleitung
Warum dieses Leitbild?
Dieses Dokument wurde vom Ressort Roller Derby D&I erarbeitet. Viele Leagues berichten von ähnlichen Herausforderungen: diskriminierende Verhaltensweisen, Konflikte, unsichere Strukturen, überforderte Verantwortliche, fehlende Ansprechpartner*innen und vor allem das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Verständnis von sicheren, inklusiven und solidarischen Vereinsräumen.
Roller Derby hat in Deutschland eine lebendige, vielfältige Community, die stark von feministischen, queeren und antirassistischen Bewegungen geprägt ist. Gleichzeitig ist jeder Verein anders organisiert, und nicht alle Teams verfügen über dieselben Ressourcen.
Dieses Leitbild soll deshalb als gemeinsame Grundlage dienen – flexibel genug, um an die Realität einer jeden League angepasst zu werden.
Unser Ziel ist, Roller Derby in Deutschland zu einem Raum zu machen, in dem sich alle willkommen, sicher und respektiert fühlen – unabhängig von Geschlecht, Identität, Herkunft, Fähigkeiten oder sozialer Situation.
Kurz zur Geschichte des Roller Derby
Das moderne Roller Derby entstand Anfang der 2000er Jahre in den USA, vor allem durch Initiativen von FLINTA*-Personen. Von Beginn an war der Sport geprägt von Do-It-Yourself-Kultur, Selbstverwaltung und gelebter Inklusivität. Die WFTDA („by the community, for the community“) entwickelte Standards für Fairness, Selbstorganisation und Gleichberechtigung, die weltweit Einfluss hatten.
In Deutschland wuchs die Community ab 2008 rasant: Berlin, Ruhrgebiet, Hamburg, Stuttgart, München und viele weitere Städte gründeten Teams.
Heute ist Roller Derby in Deutschland fester Bestandteil der queeren und feministischen Sportlandschaft, getragen von Ehrenamt, Solidarität und einer Kultur, in der Vielfalt als Stärke gilt.
Ziele des Leitbildes
Dieses Dokument möchte:
- Handlungsempfehlungen für inklusive, diskriminierungssensible Vereinsarbeit geben,
- praxisnahe Tools anbieten, um Konflikte, Vorfälle und strukturelle Probleme zu bearbeiten,
- Grundwerte formulieren, die als Orientierung für Vorstände, Trainer*innen, Crews, Volunteers und Mitglieder dienen können,
- Leagues ermöglichen, eigene Ordnungen und Prozesse darauf aufzubauen oder zu erweitern,
- die Zusammenarbeit zwischen deutschen Derby Leagues stärken, indem gemeinsame Standards sichtbar gemacht werden.
An wen richtet sich das Leitbild?
- an Leagues,
- an Trainer*innen / Bench-Personen,
- an Spielende,
- an Officials,
- an Volunteers,
- an Announcer*innen,
- an Fotograf*innen,
- an alle, die Derby-Events organisieren oder Verantwortung tragen
- sowie an alle Vereinsmitglieder, die eine sichere und solidarische Community mittragen wollen.
Wie dieses Dokument gelesen werden sollte
Das Leitbild ist kein Gesetz und kein starres Regelwerk.
Es ist eine orientierende Grundlage, die Leagues an ihre Größe, ihre Stadt, ihre Ressourcen und ihre Strukturen anpassen können. Manche Empfehlungen lassen sich sofort umsetzen, andere erfordern Zeit oder zusätzliche Kapazitäten.
Ziel ist nicht Perfektion – sondern kontinuierliche Entwicklung!

Grundwerte der Roller Derby-Community in Deutschland
Roller Derby versteht sich in Deutschland als ein Sport, der weit über das Athletische hinausgeht: Er schafft Räume, in denen Vielfalt, Solidarität und Selbstbestimmung aktiv gelebt werden. Die folgenden Werte bilden das Fundament dieser Community und sollen in jedem Verein sichtbar und spürbar sein.
Inklusivität als Grundprinzip
Roller Derby soll ein Ort sein, an dem Menschen unabhängig von:
- Geschlechtsidentität
- sexueller Orientierung
- Herkunft oder Hautfarbe
- sozialer Lage
- körperlichen oder psychischen Fähigkeiten
- Religion oder Weltanschauung
- Alter
- Körperform
- Sprache
- …
gleichwertig teilhaben können.
Inklusivität bedeutet nicht „alle gleichbehandeln“, sondern aktiv wahrzunehmen, dass Menschen unterschiedliche Erfahrungen mit Diskriminierung oder Ausschlüssen gemacht haben – und Strukturen so zu gestalten, dass alle sicher und willkommen sind.
Selbstorganisation & Empowerment
Deutsche Roller Derby Leagues sind überwiegend ehrenamtlich organisiert.
Dieses Leitbild stützt sich daher auf folgende Prinzipien:
- Entscheidungen werden transparent getroffen,
- Verantwortung wird geteilt, nicht auf wenige Schultern abgeschoben,
- Menschen, die marginalisierte Perspektiven einbringen, werden ernst genommen und aktiv beteiligt.
Roller Derby bietet vielen Menschen Räume, in denen sie sich ausprobieren, Verantwortung übernehmen und Selbstvertrauen gewinnen können — dieses Empowerment ist zentral.
Respekt & Solidarität
Gemeinschaftliches Handeln steht im Mittelpunkt.
Dazu gehören:
- respektvolle Kommunikation,
- achtsamer Umgang miteinander,
- ehrliches Zuhören,
- Bereitschaft zu lernen und Fehler zu reflektieren,
- Schutz von Betroffenen,
- Solidarität mit marginalisierten Gruppen innerhalb und außerhalb des Sports.
Respekt bedeutet auch, Grenzen anderer Menschen zu achten und zu respektieren – körperliche, emotionale, sprachliche oder persönliche.
Antidiskriminierung & aktives Handeln
Roller Derby in Deutschland positioniert sich klar gegen:
- Rassismus,
- Sexismus,
- Queerfeindlichkeit,
- Trans- und Interfeindlichkeit,
- Ableismus,
- Klassismus,
- religiöse Ausgrenzung,
- Belästigung und Gewalt jeglicher Art.
Antidiskriminierung heißt nicht nur, diskriminierende Verhaltensweisen abzulehnen, sondern aktiv Strukturen zu schaffen, die sie verhindern — sowie Betroffene glaubwürdig zu unterstützen.
Sichtbarkeit & Repräsentation
In allen Bereichen (Vorstand, Trainer*innen, Orga-Teams, Officials, Announcer*innen, Öffentlichkeitsarbeit) sollte bestmöglich die Vielfalt der Community sichtbar werden.
Repräsentation schützt marginalisierte Menschen nicht automatisch, aber sie:
- stärkt Zugehörigkeit,
- verhindert symbolische Ausschlüsse,
- erweitert Perspektiven in der Entscheidungsfindung,
- macht Vereine resilienter und gerechter.
Lernen, Reflexion & Fehlerkultur
Keine Person, kein Verein, keine League ist frei von Fehlern.
Entscheidend ist:
- Lernbereitschaft,
- Offenheit für Kritik,
- Bereitschaft, Verhalten anzupassen,
- Fehler nicht zu individualisieren, sondern als kollektive Lernmomente zu begreifen.
Eine gesunde Fehlerkultur schafft Vertrauen und trägt dazu bei, Konflikte frühzeitig und konstruktiv zu lösen.

Gute Praxis im League-Alltag
Dieser Teil des Leitbilds bietet konkrete, alltagsnahe Empfehlungen, die Leagues dabei unterstützen sollen, ihre Strukturen inklusiv, zugänglich und sicher zu gestalten.
Die folgenden Punkte können flexibel an die Größe, Ressourcen und Bedürfnisse jedes Vereins angepasst werden.
Grundsätzliche Empfehlungen für Leagues
Diversität in Verantwortung & Entscheidungsprozessen
Eine League profitiert davon, wenn unterschiedliche Perspektiven aktiv eingebunden werden. Das bedeutet:
- Vorstand und Leitungsrollen sollten möglichst vielfältig besetzt sein,
- Menschen aus marginalisierten Gruppen sollen ausdrücklich ermutigt werden, Verantwortung zu übernehmen,
- Entscheidungsprozesse sollten transparent dokumentiert und kommuniziert werden.
Mehr Vielfalt in der Leitung führt zu gerechteren Entscheidungen und entlastet diejenigen, die sonst „unsichtbare Mehrarbeit“ tragen.
Inklusion als kontinuierlicher Prozess, nicht als Checkliste
Inklusion ist nichts, was „abgehakt“ werden kann.
Es braucht:
- regelmäßige Gespräche,
- Bereitschaft, Kritik ernst zu nehmen,
- Flexibilität, Dinge neu zu denken,
- Austausch mit anderen Leagues und der Derby-Community (zum Beispiel Podio Workspaces).
Neue Mitglieder begleiten
Der Einstieg ins Roller Derby ist für viele Menschen eine Herausforderung.
Neue Teilnehmende erleben:
- einen unbekannten Sport,
- viele Fachbegriffe,
- technische Anforderungen,
- komplexe Regeln,
- eine neue Community.
Gute Begleitung entscheidet darüber, ob Menschen bleiben.
Transparente Kommunikation & verständliches Vokabular
Die Leagues sollten sicherstellen, dass neue Mitglieder:
- verständliche Erklärungen zu Regeln, Abläufen und Begriffen erhalten,
- Zugang zu Materialien in deutscher Sprache haben,
- Ansprechpersonen haben, die Fragen ernst nehmen,
- früh über die Werte und Erwartungen des Leagues informiert werden.
Ein Einsteiger*innen-Guide ist sehr hilfreich (digital oder gedruckt).
Finanzielle Zugänglichkeit
Roller Derby kann teuer sein!
Die Leagues sollten daher, soweit möglich:
- Leih-Ausrüstung für längere Zeiträume anbieten,
- gestaffelte Beiträge oder Ratenzahlungen ermöglichen,
- eine Solidarkasse einrichten,
- Spendenaktionen für Ausrüstung organisieren,
- klar kommunizieren, dass finanzielle Schwierigkeiten kein Hinderungsgrund sein sollen.
Eine inklusive League ermöglicht allen Menschen die Teilnahme — unabhängig vom Geldbeutel.
Umgang mit Namen & Pronomen
Es ist wichtig, dass Name oder Pronomen respektiert werden.
Gute Praxis:
- Pronomen-Runde zu Beginn neuer Trainingsgruppen,
- Pronomen auf Anwesenheitslisten/Kader vermerken, wenn gewünscht,
- respektvolles Korrigieren im Trainingsalltag,
- keine verpflichtende Offenlegung persönlicher Informationen.
Wichtig: Pronomen-Fragen sollen ein Angebot sein, keine Pflicht.
Fairness bei Trainingsauswertung
Nicht alle Menschen lernen gleich.
Gute Praxis:
- mehr Zeit für spielende Personen mit Lernschwierigkeiten,
- Rücksichtnahme auf sichtbare und unsichtbare Behinderungen (z. B. Dyspraxie, Autismus, sensorische Empfindlichkeiten).
- auch Raum lassen für Menschen, die im Derby nicht das Ziel haben, besser zu werden, sondern einfach nur spielen/officiaten/announcen/… wollen.
Ziel: Alle sollen lernen dürfen — Tempo ist individuell.
Veranstaltungen inklusiv gestalten
Barrierearme Kommunikation
Bei Eventankündigungen:
- Wege zum Veranstaltungsort beschreiben,
- Hinweise zur Zugänglichkeit geben (Stufen, Toiletten, Umkleiden, barrierefreie Bereiche),
- Preisgestaltung transparent machen,
- „Zahl, was du kannst“-Optionen anbieten.
Events werden offener, wenn potenzielle Barrieren klar benannt werden.
Visuelle Kommunikation
Wenn Menschen auf Flyern / Social Media gezeigt werden:
- unterschiedliche Körperformen abbilden,
- keine sexualisierenden Darstellungen,
- vielfältige Identitäten sichtbar machen (Hautfarbe, Geschlecht, Rollen im Derby),
- Bildbeschreibungen für Barrierefreiheit ergänzen.
Roller Derby sollte sich selbst so zeigen, wie es ist: bunt, divers und kraftvoll.
Catering und Bout Buffet
Gute Praxis:
- mindestens ein veganes Gericht,
- möglichst Allergien berücksichtigen und klar kommunizieren,
- Transparenz bei Zutaten,
- keine Pflichtkäufe.
Vegan ist oft die inklusivste Option, da sie viele religiöse und gesundheitliche Ernährungsregeln abdeckt.
Handling von Vorfällen bei Veranstaltungen
Ein inklusives Event benötigt (soweit möglich):
- ein transparent kommuniziertes Awareness-Konzept,
- klar erkennbare Ansprechpersonen (Awareness-Team),
- ruhigen Rückzugsraum,
- niedrige Hürden zur Meldung von Vorfällen,
- möglichst keinen Polizeieinsatz, wenn andere sichere Lösungen möglich sind.
Besonders wichtig: Menschen aus marginalisierten Gruppen sollen nicht in unangemessene Risiken (z. B. Polizeikonflikte) geschickt werden.
Bilder & Öffentlichkeitsarbeit
Fotograf*innen & Social-Media-Teams sollten:
- keine sexualisierenden oder entwürdigenden Fotos veröffentlichen,
- Privatsphäre respektieren (Einwilligung einholen, zum Beispiel im Boutvertrag),
- Vielfalt der Community zeigen,
- faire und respektvolle Bildbeschreibungen verfassen.

Umgang mit problematischem Verhalten
Eine inklusive League braucht klare, verlässliche Prozesse, um mit Konflikten, Grenzverletzungen oder diskriminierendem Verhalten umgehen zu können.
Dieser Abschnitt bietet eine Orientierung, wie Leagues sichere Strukturen schaffen können — im Einklang mit deutschen Vereinsstrukturen.
Grundprinzipien
Der Schutz von Betroffenen hat die oberste Priorität.
Ziel ist nicht Bestrafung um ihrer selbst willen, sondern:
- Sicherheit für Betroffene,
- klare Verantwortlichkeiten,
- transparente Verfahren,
- fairer Umgang mit allen beteiligten Personen,
- Prävention ähnlicher Vorfälle in der Zukunft.
Jede League sollte klar machen: Diskriminierung, Belästigung, Gewalt und respektloses Verhalten werden nicht toleriert.
Rollen & Verantwortlichkeiten
In den meisten deutschen Derby Leagues existieren folgende Strukturen:
- der Vorstand / die League- oder Vereinsleitung,
- Abteilungen oder Teams,
- Trainer*innen / Bench,
- funktionale Arbeitsgruppen (Orga, Media, Training, etc.).
Für Konflikt- und Vorfallsarbeit braucht es jedoch zusätzliche Rollen.
Der Vorstand
Der Vorstand ist rechtlich verantwortlich für den Verein.
Allerdings sind Vorstandsmitglieder oft nicht dafür ausgebildet, mit komplexen oder sensiblen Situationen (z. B. sexualisierte Gewalt, Rassismus) umzugehen.
Gute Praxis:
- Der Vorstand sollte gut sichtbar signalisieren: „Wir sind ansprechbar.“,
- Vertraulichkeit zusichern,
- Prozesse klar kommunizieren (wer meldet was an wen?),
- Entscheidungen dokumentieren.
Wichtig: Der Vorstand sollte nicht allein Schlichtung, Aufarbeitung und Betreuung übernehmen.
Awareness- oder Mediations-Team (stark empfohlen)
Viele Roller Derby Leagues in Deutschland haben ein Awareness-Team oder Mediationsgremium ein. Dieses Gremium:
- besteht aus freiwilligen, vertrauenswürdigen Vereinsmitgliedern,
- wird von der Mitgliederversammlung bestätigt,
- arbeitet unabhängig vom Vorstand,
- erhält Basis-Schulungen zu Diskriminierung, Awareness und Gesprächsführung.
Mögliche Aufgaben des Awareness-/Mediations-Teams:
- vertrauliche Anlaufstelle für Betroffene und Zeug*innen,
- Gespräche anbieten, zuhören, entlasten,
- Betroffene auf externe Fachstellen hinweisen (Beratung, Schutzangebote, Therapie),
- Dokumentation von Vorfällen (anonym, wenn gewünscht),
- Empfehlung an den Vorstand geben, falls ein Vereinsverfahren notwendig ist,
- Präventionsarbeit leisten (Workshops, Leitfäden, Check-ins).
Wichtig: Das Awareness-Team ist keine Ermittlungsbehörde und keine psychologische Fachstelle. Es vermittelt, entlastet und begleitet.
Disziplinarausschuss (für formelle Verfahren)
Wenn ein schwerwiegender Vorfall vorliegt oder eine formelle Entscheidung nötig wird, kann der Verein einen Disziplinarausschuss einsetzen (fest oder fallbezogen).
Dieser Ausschuss:
- wird vom Vorstand oder der Mitgliederversammlung eingesetzt,
- besteht aus mehreren unparteiischen Personen,
- prüft die vorliegenden Informationen,
- hört die beteiligten Personen an (wenn möglich getrennt),
- trifft Entscheidungen auf Basis der Vereinsordnung / Satzung / Leitbild.
Sollte eine League nicht die Möglichkeit haben, einen Ausschuss zu bilden, können zum Beispiel der RDD/DRIV oder externe Mediations-Stellen zur Unterstützung angefragt werden.
Mögliche Maßnahmen:
- klärendes Gespräch,
- mündliche Verwarnung,
- schriftliche Verwarnung,
- zeitweise Trainings- oder Veranstaltungsverbote,
- Auflagen (z. B. Teilnahme an Sensibilisierungsworkshops),
- befristete Suspendierung,
- Ausschluss aus der League oder dem Verein (gemäß Satzung),
- Meldung an RDD/WFTDA/MRDA, wenn relevant.
Maßnahmen müssen verhältnismäßig, dokumentiert und transparent sein.
Strukturierte Verfahren bei Vorfällen
Eine League sollte im Idealfall einen klar verständlichen Prozess definieren, der ungefähr so aussehen kann:
Schritt 1 — Meldung / Kontaktaufnahme
Betroffene oder Zeug*innen können sich melden:
- beim Awareness-Team,
- bei einer Vertrauensperson,
- beim Vorstand (wenn gewünscht),
- anonym über ein Formular.
Wichtig: Anonyme Meldungen sollen möglich, aber nicht verpflichtend sein.
Schritt 2 — Erstgespräch
Das Awareness-Team:
- hört zu,
- nimmt die Perspektive ernst,
- stellt keine Schuldfragen,
- priorisiert Sicherheit,
- fragt nach Bedürfnissen der betroffenen Person (z. B. Abstand, Begleitung, Gesprächswünsche).
Ein Erstgespräch ist keine Befragung, sondern Unterstützung.
Schritt 3 — Einschätzung & Empfehlung
Das Awareness-Team entscheidet:
- Reicht ein klärendes Gespräch?
- Ist ein Mediationsangebot sinnvoll?
- Muss der Vorstand eingebunden werden?
- Muss Roller Derby Deutschland eingebunden werden?
- Ist ein formelles Verfahren notwendig?
- Braucht die betroffene Person externe Unterstützung?
Die betroffene Person darf immer entscheiden, was sie möchte oder nicht möchte.
Schritt 4 — Maßnahmen
Wenn ein Verfahren nötig ist, folgt:
- Prüfung der Informationen,
- Anhörung aller beteiligten Personen,
- klare schriftliche Dokumentation,
- Entscheidung und Dokumentation der Entscheidung,
- transparente Mitteilung der Maßnahme an die betroffene Person,
- Erklärung gegenüber der beschuldigten Person.
Schritt 5 — Follow-up & Prävention
Nach Abschluss:
- Check-In mit betroffener Person, ob und welche Nachfolgeschritte erfolgen sollen,
- Transparenz gegenüber der League und eventuell anderen involvierten Leagues? (ohne personenbezogene Daten),
- Anpassung von Strukturen, wenn nötig (z. B. Trainingsorganisation, Kommunikation, Awareness-Präsenz).
Externe Unterstützung
Empfohlene Stellen (es handelt sich um Beispiele!):
Generalistische Hilfe & Beratung
- Weißer Ring (Opferhilfe)
- lokale Beratungsstellen für Gewalt, Diskriminierung oder Mobbing
Bei rassistischer Diskriminierung
- Each One Teach One (EOTO)
- ISD – Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
- lokale Antidiskriminierungsbüros
Bei LGBTIQ*-Feindlichkeit
- LSVD
- Queere Beratungsstellen (kommunal unterschiedlich)
- Trans*- oder Inter*-Beratungsstellen
Bei sexualisierter Gewalt
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (08000 116 016)
- Hilfetelefon für Männer in Gewaltsituationen
- Frauenhäuser oder Schutzwohnungen
- lokale Notrufe
Die League sollte eine interne Liste verlässlicher Stellen in ihrer Region pflegen.

Prävention als erste Stelle!
Eine League setzt nicht erst nach Vorfällen an. Prävention umfasst:
- Awareness-Schichten bei Events,
- Aufklärung über Diskriminierungsformen,
- Workshops zu Kommunikation & Grenzen,
- klare Verhaltensregeln sichtbar im Trainingsraum,
- regelmäßige Reflexion im Trainer*innen-Team,
- deutliche Haltung nach außen (Social Media, Website, Flyer).
Eine inklusiv League entsteht durch konsequente, gelebte Werte — nicht durch Papier.
Foto: Roller Lens